Tamedia kündigt 41 Entlassungen an

Tamedia kündigt 41 Entlassungen an

Das von impressum im Jahr 2024 mit Tamedia ausgehandelte Entlassungsmoratorium ist am 30. September abgelaufen. Am Montag kündigt die TX Group drastische Einschnitte in ihrem Personalbestand an, indem sie 41 Stellen streicht, darunter 30 Vollzeitstellen in den Redaktionen.

impressum verurteilt diese erneute Umstrukturierung und fordert die Geschäftsleitung von Tamedia auf, auf jeglichen Stellenabbau zu verzichten. Die Petition, die 2025 nach einem umfassenden Umstrukturierungsplan zur Unterstützung von „Le Matin“ und „20minutes“ gestartet wurde, die Arbeitsniederlegungen und Mobilisierungen in der Westschweiz, an denen sich 2024 200 Journalisten beteiligten, sowie die Demonstrationen von 500 Journalisten im Jahr 2023 zeigen unmissverständlich, dass die gesamte Belegschaft der Vision der TX Group hinsichtlich ihres Berufs auf Dauer ablehnend gegenübersteht: Eine Abfolge von Personalabbau ist keine redaktionelle Strategie.

„Wo bleibt das unternehmerische Denken der Verleger? Massenentlassungen haben verheerende Signalwirkungen in der Öffentlichkeit. Warum fehlt den Medien offensichtlich eine wirtschaftliche Weitsicht mit einem kalkulierbaren Risiko? Wo bleiben ihre Innovationen für neue Geschäftsmodellen?“, fragt sich Franca Siegfried, Vorstand Zürcher Presseverein und ehemalige Präsidentin Impressum. „Medien sind seit der Erfindung des Buchdrucks ständige Technologiefolger und bekommen mit jeder Transformation neue Chancen. Und sie haben eine Vermittlerrolle in der Demokratie!“

Nach Ansicht des Berufsverbands der Schweizer Journalisten vernachlässigt die TX Group seit mehreren Jahren ihre Vorreiterrolle in unserer demokratischen Gesellschaft als zentraler Akteur für die Schweizer Presse. Anstatt sich damit zu begnügen, ein Portfolio an renommierten «Marken» in der Presse zu besitzen, sollte die TX Group ihrer Verantwortung gerecht werden, indem sie journalistische Talente in ihren Redaktionen hält und in den Nachwuchs investiert, insbesondere durch eine andere Verteilung der Millionen an Dividenden, die der Konzern erwirtschaftet.

„Hinter den gestrichenen Stellen stehen Menschen, Kompetenzen und Kenntnisse vor Ort. Personalabbau bedeutet, ihre Fähigkeit zu schränken, zu recherchieren, Fakten zu überprüfen und über das lokale Geschehen zu berichten. Es bedeutet auch, die Belastung der verbleibenden Kolleginnen und Kollegen zu erhöhen und eine Presse zu schwächen, die für die demokratische Debatte unverzichtbar ist“, erinnert Alberto Tikulin, Präsident von impressum vaud. „Unsere Empörung ist so gross wie das Engagement der Journalistinnen und Journalisten. Jeden Tag hauchen die Teams den Zeitungen Leben ein und sorgen für qualitativ hochwertige Berichterstattung. Sie verdienen mehr als nur eine Atempause zwischen zwei Entlassungswellen.“

impressum ist vor Ort präsent. Besonders betroffen sind die Sektionen Zürich, Genf und Waadt. In den kommenden Tagen wird es darum gehen, Solidaritätsaktionen entsprechend den Wünschen der Medienschaffenden zu planen. Der Zürcher Presseverein wird sich daran aktiv beteiligen.